Savon de Marseille

Auf den Spuren der „Savon de Marseille“

Sie ist weltberühmt, die „Seife aus Marseille“ und das aus gutem Grund. Ähnlich wie beim deutschen Bier gibt es nämlich auch bei ihr ein Reinheitsgebot: Aus mindestens 72 % Pflanzenöl muss sie bestehen und nur natürliche Farb- und Zusatzstoffe dürfen bei ihr verwendet werden. So wollte es schon im 17. Jahrhundert der französische Sonnenkönig Ludwig XIV, der die Seife im wahrsten Sinne in Europa hoffähig machte und den wunderbaren Duft in der Welt verbreitete.

Keine Frage, die Savon de Marseille ist etwas Besonderes. Sie ist nicht nur ein Naturprodukt, das die Haut auf sanfte und milde Weise pflegt und vielen verschiedenen und wundervollen Düften erhältlich ist. Sie gehört vielmehr zum Kulturgut der Provenzalen. Auch heute noch kann und sollte man die Seifenfabriken der Savon de Marseille in der Provence besichtigen und damit in ein Stück Geschichte der Provenzalen eintauchen – Links zu den Savonnerien finden Sie am Ende des Textes.

Aber nun zu der Geschichte der Savon de Marseille. Nach den eigentlich ziemlich reinlichen Römern stank das europäische Mittelalter buchstäblich zum Himmel. Nach den verheerenden Pest- und Cholera-Epidemien vertraten Ärzte die Ansicht, dass Wasser und Luft die Wurzel allen Übels sei. Folglich scheute man Waschungen und ließ nur noch Puder an die bedeckte Haut. Die „Trockenreinigung“ war ein Paradies für Läuse und Flöhe und der Gestank der menschlichen Ausdünstungen muss unbeschreiblich gewesen sein.

Eventuell hatte der Sonnenkönig Ludwig ein empfindliches Näschen, denn schließlich holte er die besten Seifensieder nach Versailles. Zu diesem Zeitpunkt lag die Erfindung der klassischen Seife schon 1.000 Jahre in der Vergangenheit. Arabische Seifensieder hatten damals das Verkochen von Öl und Lauge erstmals angewendet. Der arabische Einfluss führte vermutlich auch dazu, dass die Mittelmeer-Anrainer Frankreich und Spanien als erste Seifenproduzenten auf europäischen Boden auftraten.

Die Hafenstadt Marseille bot sich für die Produktion der Seifen geradezu ideal an. Reines Olivenöl als Grundstoff war ebenso zur Hand wie das Salz aus dem Meer für die Herstellung der Lauge. Hinzu kamen ätherische Öle und Parfüme für den verführerischen Duft, für die die Provence seit jeher berühmt war. Mit dem „Colbert-Edikt“ bestimmte der weitsichtige Sonnenkönig im Jahr 1688 das Qualitätskriterium der „Savon de Marseille“ mit ihrer feinen Cremigkeit und ihrer milden Reinigungswirkung.

Leider vergaß er seinerzeit, auch den Markennamen der „Savon de Marseillezu schützen. Heute kann man also überall auf der Welt die Seife aus Marseille kaufen, ohne dass diese Marseille jemals gesehen hat. Wenn man sich und seiner Haut daher einen Gefallen tun will, sollte man sehr genau auf Inhaltsstoffe und Herkunft der Seifen achten. Es muss übrigens nicht nur Olivenöl in der Seife stecken, auch Palmöl und Kokosöl werden für die echte „Savon de Marseille“ verarbeitet. Tierfette sind tabu. Die Seife aus Marseille ist also für Vegetarier und Veganer völlig problemlos.

Auch wenn der meiste Teil der Seifen inzwischen großtechnisch hergestellt werden, gibt es noch einige wenige Savonnerien am Rande der Provence, die ihre Produkte noch in Handarbeit herstellen – und sie finden bei Provence-Liebhabern immer mehr Anklang. Ein Besuch einer Savonerie lohnt sich auf jeden Fall: Die Hexenküche aus riesigen blubbernden Chaudrons, deren Inhalt nach zwei Wochen Köcheln und diversen geheimnisvollen Zwischenschritten in flache Becken ausgegossen wird und erkaltet. Diese Masse, in handliche Stücke geschnitten ergibt die bekannte Würfelseife. Gemahlen, mit Duft-Essenzen versetzt und zu handlichen Stücken gepresst bildet sie eine der vielen, in allen Regenbogenfarben leuchtenden Handseifen, die auf Millionen von Waschtischen liegt und die Luft des Badezimmers mit ihrem betörenden Duft erfüllt. Mit dem berühmten provenzalischem Lavendel versetzt, wirkt diese Seife sogar mild desinfizierend.

In Salon-de-Provence und in Marseille kann man das traditionelle Handwerk noch besichtigen. Aber auch in kleineren Orten setzen Familienbetriebe auf Tradition und möchten durch die traditionelle Herstellung das Kulturgut ihrer Heimat erhalten.

Die Savonnerien wie z.B. La Compagnie du Savon de Marseille (Marseille), Marius Fabre (Salon-de-Provence), Savonnerie Marseillaise de la Licorne (Marseille) oder Rampal-Patou (Salon-de-Provence) freuen sich über Besichtigungen und Besuche.

Alternativ können Sie die Seifen natürlich auch in unserem Provence-Shop bestellen. Sie stammen selbstverständlich aus der Provence und sind nach dem Reinheitsgebot von König Ludwig XIV hergestellt.